Erfahrungen aus einem zweijährigen Demonstrationsvorhaben im Odenwald
Im Rahmen des Projekts „100 nachhaltige Bauernhöfe“ wurde auf dem Rossbacher Hof im Odenwald in den Anbaujahren 2024 und 2025 ein Demonstrationsvorhaben zu Beisaaten im Winterraps etabliert. Ziel war es, die praktische Umsetzbarkeit sowie pflanzenbauliche und ökonomische Effekte der Beisaat im Allgemeinen, aber auch verschiedener Beisaatmischungen und Aussaatverfahren unter Praxisbedingungen zu beleuchten. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass es sich nicht um einen randomisierten und mehrfach wiederholten Exaktversuch, sondern um ein praxisnahes Demonstrationsvorhaben in Streifenanlage handelt. Die gewonnenen Erkenntnisse dienen der Einordnung unter Praxisbedingungen. Sie ersetzen keine wissenschaftliche Versuchsauswertung.
Ausgangsüberlegung und Zielsetzung
Die Aussaat der Beisaaten verfolgte mehrere Zielrichtungen.
(1) Vergrämung des Rapserdflohs. Zahlreiche Saatguthersteller bewerben Beisaatmischungen mit einer vergrämenden Wirkung auf den Rapserdfloh, insbesondere durch geruchsaktive Komponenten wie Bockshornklee. Im Herbst 2025 konnten in Teilen Südhessens – insbesondere im Hessischen Ried – Minderwirkungen von Pyrethroiden gegenüber dem Rapserdfloh beobachtet werden. Der unzureichende Bekämpfungserfolg führte teilweise zu erheblichen Schäden bis hin zum Totalausfall durch Kahlfraß. Sollte sich der Verdacht pyrethroidresistenter Erdflöhe bestätigen (weitere Informationen hierzu finden Sie u. a. bei den Kolleginnen und Kollegen des DLR Rheinland-Pfalz), könnte dieses Konzept pflanzenbaulich von großem Interesse sein.
(2) Annäherung an „Planting Green“-Verfahren. Der Rossbacher Hof verfolgt das Ziel, die vegetationsfreie Zeit der Ackerflächen auf ein Minimum zu reduzieren. Angestrebt wird die Etablierung einer möglichst ganzjährigen Durchwurzelung durch lebende Pflanzenmasse. Erwartete Effekte sind unter anderem die Förderung des Humusaufbaus, die Stickstofffixierung durch Leguminosen, die Verbesserung der Bodenstruktur sowie die Reduktion von Wassererosion. Im Odenwald und insbesondere auf dem Rossbacher Hof, mit teils exponierten Hanglagen, ist der Erosionsschutz ein relevantes Thema.
(3) Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität des Anbausystems. Der Einsatz klassischer Rapsherbizide ist durch das Vorhandensein einer Beisaat stark eingeschränkt beziehungsweise gänzlich ausgeschlossen. Graminizide sowie propyzamidhaltige Herbizide sind hingegen uneingeschränkt einsetzbar. Die Kosten für das Saatgut entsprechen pro Hektar in etwa den üblichen Herbizidkosten im Herbst, abhängig von gewählter Beisaatmischung und eingesetzten Herbiziden. Das System wäre somit nur dann wirtschaftlich tragfähig, wenn die Unkrautunterdrückung durch die Beisaaten ausreicht, um vollständig auf Herbizide (mit Ausnahme der Gräserbekämpfung) verzichten zu können.
Versuchsaufbau und eingesetzte Beisaatmischungen
Bei dem Demonstrationsvorhaben handelte es sich um eine Streifenanlage in praxisüblichen Bewirtschaftungseinheiten auf Fahrgassenebene.
Im Jahr 2024 wurde die Beisaat auf einer Fläche von etwa 3,5 ha etabliert. Zum Einsatz kamen zwei verschiedene Beisaatmischungen: (1.) eine Mischung aus 50 % Bockshornklee und 50 % Alexandrinerklee sowie (2.) eine Mischung aus 30 % Bockshornklee, 30 % Alexandrinerklee und 40 % Purpurwicke. Die Aussaat erfolgte mittels Drohne unmittelbar im Anschluss an die konventionelle Rapssaat im Mulchsaatverfahren. Anschließend wurde die Fläche angewalzt.
Im Jahr 2025 lag der Fokus auf weiteren Beisaatmischungen und alternativen Aussaatverfahren. Zum Einsatz kamen drei Mischungen: (1.) 50 % Bockshornklee und 50 % Alexandrinerklee, (2.) Blaue Lupine, Öllein, Serradella, Alexandrinerklee, Ramtillkraut und Perserklee sowie (3.) 35 % Buchweizen, 25 % Öllein, 20 % Bockshornklee, 10 % Gartenkresse und 10 % Weißklee.
Allen Mischungen ist gemeinsam, dass sie über Winter sicher abfrieren sollen, um dem Raps im Frühjahr ein ungestörtes Wachstum zu ermöglichen. In sehr milden Wintern kann die Frostwirkung jedoch unzureichend sein, wodurch im Zweifelsfall eine Nachbehandlung mit Herbiziden im Frühjahr notwendig wird.
Anbautechnische Erfahrungen
Jahr 2024 – Trockenheit und hoher Unkrautdruck
Die Aussaatbedingungen waren relativ trocken. Raps und Beisaaten liefen zwar gut und zügig auf, entwickelten sich anschließend jedoch zögerlich. Ähnliche Beobachtungen wurden 2024 auf vielen hessischen Standorten gemacht, teilweise mit zusätzlichem verzetteltem Auflauf des Rapses. Insgesamt war die Entwicklung der Beisaaten unzureichend. Feuchte Bedingungen im Spätherbst sowie eine eingeschränkte N-Verfügbarkeit könnten eine zusätzliche Rolle gespielt haben.
Der Unkrautdruck war aufgrund der Mulchsaat verhältnismäßig hoch und die Unkrautunterdrückungsleistung war infolge der schwachen Bestandesentwicklung nicht ausreichend. Daher war ein kleeschonender Herbizideinsatz im Herbst unumgänglich. Zusätzlich musste die Fläche im Frühjahr nachbehandelt werden, was in der betriebsüblichen Variante nicht erforderlich war. Ein ökonomisches Gleichgewicht durch die angestrebte Unkrautunterdrückungsleistung konnte in diesem Jahr somit nicht erreicht werden.
Jahr 2025 – Fokus auf Aussaattechnik
Im zweiten Jahr sollte der Schwerpunkt stärker auf einer für Beisaaten optimierten Aussaattechnik liegen. Geplant waren zwei Varianten: (1.) Aussaat der Beisaat zehn bis 14 Tage vor der Rapssaat, um einen Entwicklungsvorsprung zur möglichen Erdfloh-Vergrämung zu erreichen. Dabei sollte die Beisaat klassisch mit einer Drillkombination gesät und der Raps anschließend im Direktsaatverfahren eingebracht werden. (2.) Gemischte Aussaat von Raps und Beisaat in einem Arbeitsgang mit der Drillkombination.
In der Praxis stellte sich jedoch heraus, dass Variante eins nicht umsetzbar war. Aufgrund der späten Ernte im Jahr 2025 wäre ein angestrebter Saattermin der Beisaat um den 10. August kaum realisierbar gewesen. Dies wäre zulasten eines ausreichenden Nacherntemanagements gegangen – bei gleichzeitig hoher Arbeitsbelastung in diesem Zeitraum. Die Entscheidung fiel daher zugunsten eines sauberen Nacherntemanagements.
Variante zwei wurde umgesetzt, jedoch mit praxisrelevanten Herausforderungen. Das Saatgut sollte jeweils nur für maximal einen Hektar angemischt werden, da ansonsten eine Entmischung während des Drillvorgangs droht. Unterschiedliche Korngrößen führten zu Problemen beim Abdrehen sowie bei der anschließenden Saatgutdosierung. Die Verteilgenauigkeit war unzureichend und in einer Variante musste Raps nachgesät werden. Diese Erfahrung zeigt deutlich, dass die kombinierte Aussaat eine hohe technische Präzision erfordert und störanfällig ist.
Bestandesentwicklung, Schädlingsdruck und Fazit
Rapserdfloh
In beiden Herbstperioden spielte der Rapserdfloh im Odenwald keine relevante Rolle. Ein pflanzenbaulicher Effekt der Beisaaten im Sinne einer Vergrämung konnte daher nicht bewertet werden.
Durch die gezielte Beobachtung wurde jedoch deutlich, dass durch den Verzicht auf eine Insektizidmaßnahme im Herbst in den Beisaatvarianten keine Ertragsnachteile im Vergleich zur praxisüblichen Variante entstanden sind.
Interessant ist zudem der Vergleich mit dem Hessischen Ried im Herbst 2025: Dort traten massive Schäden durch den Rapserdfloh und seine Larven auf, teils bei unzureichender Insektizidwirkung. Vor dem Hintergrund der beworbenen Vergrämungswirkung wäre eine Überprüfung des Systems in Starkbefallsgebieten fachlich geboten. Interessierte Betriebe sind eingeladen, sich bei Interesse an einer projektbegleitenden Erprobung an das Beratungsteam zu wenden.
Wüchsigkeit 2025
Im zweiten Jahr waren die Bestände deutlich wüchsiger. Die Aussaat erfolgte in gepflügten Boden. Der Unkrautdruck konnte dadurch reduziert werden. Raps und Beisaaten entwickelten sich zügig und vital. Die Mischungen etablierten sich optisch überzeugender als im Vorjahr. Dennoch wird voraussichtlich eine Nachbehandlung mit Herbiziden im Frühjahr notwendig sein.
Bislang konnten weder eindeutig positive noch negative Effekte auf die Rapsentwicklung durch das Vorhandensein der Beisaaten festgestellt werden. Die häufig in der Praxis geäußerte Befürchtung einer zu konkurrenzstarken Beisaat konnte durch unsere Beobachtungen nicht bestätigt werden. Auch ein sicheres Abfrieren der Bestände war in beiden Jahren am Demonstrationsstandort gegeben.
Zwischenfazit nach zwei Jahren
Nach zwei Vegetationsperioden lässt sich festhalten, dass
- die Etablierung von Beisaaten technisch machbar, aber anspruchsvoll ist,
- ein klarer pflanzenbaulicher Mehrwert bislang nicht nachgewiesen werden konnte,
- eine sichere Unkrautunterdrückung durch die Beisaaten nicht garantiert ist,
- ein großer Engpass in der Aussaattechnik und Arbeitsorganisation besteht und
- unter hohem Rapserdflohdruck weiterer Erkenntnis- und Prüfbedarf besteht.
Auch die Grundidee eines „immer grünen“ Anbauverfahrens bleibt aus boden- und erosionsschutzfachlicher Sicht interessant Insbesondere auf exponierten Standorten. Denkbar wäre dabei auch die Etablierung eines reinen Weißkleebestands einer winterharten Sorte. Dieser könnte nach Vorbild des ökologischen Landbaus bis über die Rapsernte hinaus geführt werden.
Ausblick
Das Demonstrationsvorhaben soll im Rahmen des Projekts „100 nachhaltige Bauernhöfe“ weitergeführt werden. Gerade weil ein einzelnes oder auch zwei Jahre keine abschließende Bewertung erlauben, ist eine mehrjährige Betrachtung entscheidend. Standortbedingungen, Witterungsverlauf und Schädlingsdruck beeinflussen den Erfolg des vorgestellten Anbausystems maßgeblich. Außerdem sollte man sich vor der Aussaat genau überlegen, welche pflanzenbaulichen Ziele man mit der Beisaat erreichen möchte.
Die gewonnenen Erfahrungen aus den Jahren 2024 und 2025 liefern wertvolle praxisnahe Hinweise für Betriebe, die über die Integration von Beisaaten im Raps nachdenken.
Beisaaten im Winterraps – Chance oder Herausforderung?
Im Projekt „100 nachhaltige Bauernhöfe“ wurden auf dem Rossbacher Hof im Odenwald über zwei Jahre Beisaaten im Winterraps unter Praxisbedingungen getestet. Ziel war es, pflanzenbauliche Effekte, Umsetzbarkeit und Wirtschaftlichkeit verschiedener Mischungen und Aussaatverfahren zu bewerten. Im Fokus standen unter anderem die mögliche Vergrämung des Rapserdflohs, Ansätze eines „Planting Green“-Systems sowie die Frage nach der Herbizidreduktion.
Die Ergebnisse zeigen: Technisch ist das System machbar, jedoch anspruchsvoll in Organisation und Aussaattechnik. Ein gesicherter pflanzenbaulicher Mehrwert konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Insbesondere unter hohem Rapserdflohdruck besteht weiterer Prüfbedarf, da entsprechende Bedingungen am Demonstrationsstandort nicht vorlagen. Betriebe aus Starkbefallsregionen, die eine projektbegleitende Erprobung in Erwägung ziehen, können sich gerne an das Beratungsteam wenden. Der Bericht fasst die wichtigsten Erfahrungen aus den Jahren 2024 und 2025 zusammen.
Literatur
Magnin, L., Hiltpold, I., Jullien, A. & Baux, A. (2025): Intercropping mitigates incidence of the oilseed rape insect pest complex. Pest Management Science. https://doi.org/10.1002/ps.8835
Seimandi-Corda, G., Winkler, J., Jenkins, T., Kirchner, S. M. & Cook, S. M. (2024): Companion plants and straw mulch reduce cabbage stem flea beetle (Psylliodes chrysocephala) damage on oilseed rape. Pest Management Science, 80(5), 2333–2341. https://doi.org/10.1002/ps.7641
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