Am 10. Dezember 2025 fand die Online-Veranstaltung „Digitale Anwendungen in der Direktvermarktung“ statt. Organisiert wurde sie in Kooperation von Mitarbeitenden des LLH aus den Projekten „100 Nachhaltige Bauernhöfe“ und „DigiNetz“ sowie dem Beratungsteam Erwerbskombinationen.
Zu Beginn führte Elisa Möbs aus dem Fachgebiet Erwerbskombinationen (LLH) mit dem Vortrag „Digitale Tools in der Direktvermarktung“ in das Thema ein. Im Anschluss stellten zwei landwirtschaftliche Betriebe ihre jeweils genutzten Softwareanwendungen vor und erläuterten deren Anwendungsbereiche sowie den praktischen Einsatz im Betriebsalltag. Krankheitsbedingt wurde die Onlineplattform Friedhold nicht wie geplant vom nutzenden Betrieb selbst, sondern von der Friedhold-Mitarbeiterin Elena Lienert präsentiert. Abschließend berichteten Lena Gerhold vom Weidenhof Müller und Manuel Ruf von der Rosenschule Ruf über ihre eingesetzten digitalen Lösungen.
Vorgestellte Softwarelösungen aus der Praxis
Friedhold – Schnell, intuitiv und flexibel einsetzbar
Elena Lienert stellte die browserbasierte Onlineplattform Friedhold vor, die landwirtschaftlichen Betrieben eine Verkaufsplattform für die Direktvermarktung bietet. Ursprünglich für die Rindfleischvermarktung entwickelt, umfasst das System inzwischen weitere Warenkategorien und soll künftig weiter ausgebaut werden. Das schlanke, übersichtliche Design erleichtert sowohl Betrieben als auch Kundinnen und Kunden die Nutzung und unterstützt durch die grafische Darstellung verfügbarer Mengen den Verkaufsprozess.
Die Anwendung zeichnet sich durch eine einfache und intuitive Bedienung aus. In einer Live-Demonstration wurde innerhalb von rund zehn Minuten ein vollständiger Onlineshop eingerichtet. Die Nutzung ist unverbindlich und ohne technische Vorkenntnisse möglich. Nach dem Erstellen eines Testshops – gestartet über den Button „Hofladen erstellen“ auf der Friedhold-Webseite – nimmt bei weiterem Interesse ein Mitarbeiter Kontakt auf, um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Friedhold ist zunächst kostenfrei nutzbar; erst bei erzieltem Umsatz fällt eine Gebühr von 5 % des Nettoumsatzes an, wodurch für die Betriebe kein wirtschaftliches Risiko entsteht. Zusätzlich ermöglicht die Software die automatische Rechnungserstellung sowie den Abruf von Verkaufsstatistiken. Ergänzend bieten die Mitarbeitenden von Friedhold Beratung zu Marketing und Werbung sowie Fortbildungen im Bereich Direktvermarktung an.
Webseite Friedhold: https://www.friedhold.de/
Frachtpilot – Effiziente Lieferprozesse und komplexe Funktionen
Lena Gerhold vom Weidenhof, einem Betrieb mit Schwerpunkt auf Milch- und Molkereiprodukten, stellte die Software Frachtpilot vor. Im Vergleich zu Friedhold bietet Frachtpilot einen größeren Funktionsumfang und ist entsprechend komplexer. Zentrale Vorteile sind die automatische Planung und Anpassung von Lieferrouten, wodurch erhebliche Arbeitszeit eingespart wird. Die Routen werden zudem betriebswirtschaftlich ausgewertet und effizient sowie gewinnorientiert gestaltet, was insbesondere bei stark variierenden Lieferstationen und Wochenrouten von Bedeutung ist.
Darüber hinaus unterstützt die Software zahlreiche weitere Funktionen im Lieferprozess. Die bisher papiergebundene Dokumentation konnte digitalisiert und der Papierverbrauch deutlich reduziert werden. Rechnungen und Lieferscheine werden automatisch erstellt und per E-Mail an die Kundschaft versendet, sämtliche relevanten Daten sind zentral in der Software gespeichert. Die Datenübertragung zwischen Kunden, Auslieferung und Büro erfolgt in Echtzeit; Bestelländerungen durch Kunden werden unmittelbar übernommen.
Als weitere Vorteile nannte Frau Gerhold die kurze Einarbeitungszeit und die anfängerfreundliche Bedienung, die auch ohne umfangreiche Computerkenntnisse gut handhabbar ist. Die Kosten sind abhängig vom gewählten Abonnement und dem genutzten Funktionsumfang gestaffelt.
Webseite Weidenhof Müller: https://weidenhof-online.de/
https://nachhaltige-bauernhoefe.de/betriebe/weidenhof/
Webseite Frachtpilot: https://www.frachtpilot.de/
Rita Bosse – Die branchenspezifische Software für Garten- und Landschaftsbau
Zum Abschluss stellte Manuel Ruf, Betriebsleiter der Rosenschule Ruf, die im Betrieb eingesetzte Software vor, die dort bereits seit den 1990er-Jahren genutzt wird. Der Betrieb verfolgt seit Jahrzehnten das Ziel, im Bereich Digitalisierung eine Vorreiterrolle einzunehmen. Die Software bietet zahlreiche Funktionen und ist speziell auf Baum- und Rosenschulen sowie vergleichbare Betriebe aus Garten- und Landschaftsbau ausgerichtet; besonders hervorgehoben wurde die Möglichkeit zum Etikettendruck.
Die Rosenschule setzt auf eine Vielzahl digitaler Lösungen: Tickets für Veranstaltungen auf und um den Hof werden über Pretix verkauft, der Onlineshop ist mit Shopify realisiert welcher eine Schnittstelle zur Software Rita Bosse bietet, Aufträge werden automatisch übernommen. Auftragsbearbeitung, Rechnungsstellung und Zahlungsüberwachung erfolgen folglich in der Rita Bosse Software.
Die Buchhaltung läuft in Absprache mit dem Steuerbüro mit der Software Agenda. Monatlich werden Rechnungsdaten übermittelt. Nach Möglichkeit werden Belege nur noch digital empfangen und automatisch ans Steuerbüro übermittelt.
In den vergangenen Jahren wurden rund 25.000 € in das System und die IT-Infrastruktur investiert. Ein Systemwechsel wurde geprüft, jedoch aufgrund des hohen organisatorischen und wirtschaftlichen Aufwands verworfen. Für das aktuelle Jahr wird hat sich Ruf vorgenommen, Agenda zu ersetzen, möglicherweise mit einer Dokumentenmanagementsoftware, die eine Schnittstelle zum Steuerbüro bietet.
Ruf unterstrich die Bedeutung einer sorgfältigen Auswahl passender Software und empfahl, ausreichend Zeit für Recherche und Tests einzuplanen, idealerweise auch im Rahmen von Messen und Praxisvorführungen.
Die Kosten der Software von Rita Bosse richten sich nach den genutzten Modulen und bestehen aus einmaligen Einrichtungskosten sowie einem monatlichen Nutzungsentgelt.
Webseite Rosenschule Ruf: https://rosenschule.de/
Webseite Rita Bosse: https://www.rita-bosse.de/
Fazit
Alle beteiligten Betriebe zeigten sich mit den von ihnen eingesetzten Softwarelösungen zur Direktvermarktung sehr zufrieden und hoben insbesondere die erzielte Arbeitserleichterung, Ressourceneinsparung und Effizienzsteigerung hervor. Zudem wurde durchgängig der enge Kundensupport betont sowie die Möglichkeit, Verbesserungs- und Funktionsvorschläge einzubringen, die perspektivisch in die Weiterentwicklung der Software einfließen. Die Veranstaltung machte deutlich, dass jede vorgestellte Lösung spezifische Stärken für unterschiedliche Einsatzbereiche besitzt. Für die Auswahl einer geeigneten Software wird empfohlen, verschiedene Systeme sorgfältig zu vergleichen und nach Möglichkeit praxisnah kennenzulernen. Eine passende digitale Lösung kann Arbeitsabläufe vereinfachen, Ressourcen schonen, Mitarbeitende entlasten und die wirtschaftliche Entwicklung eines Betriebs nachhaltig unterstützen. Weiterführende Informationen sind online sowie vor Ort erhältlich; bei Bedarf stehen die Mitarbeitenden des LLH beratend zur Verfügung.
Autor: Nicolai Gruner, Beratungsteam Ökonomie und Verfahrenstechnik