Fortbildungen auf und für den landwirtschaftlichen Betrieb

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Interview mit Sally Krämer und Helen Hornischer

Wie können Fortbildungen so gestaltet werden, dass sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern konkrete Veränderungen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb anstoßen? Und welche Rolle spielen dabei Vernetzung, gegenseitiger Austausch und eine praxisnahe Begleitung? Im Interview berichten Sally Krämer vom Biolandhof ÖX in Nordhessen und Helen Hornischer vom Biohof Hornischer in Mittelhessen von ihren Erfahrungen mit einer gemeinsam initiierten Fortbildung zur Bauernhofpädagogik. Beide Landwirtinnen kannten sich bereits vor der Fortbildung und brachten eigene Erfahrungen und Vorstellungen für die Weiterentwicklung ihrer Höfe mit.

Im Mittelpunkt des Interviews stehen die Gründe, eine solche Fortbildung gemeinsam auf den Weg zu bringen, die Erfahrungen mit unterschiedlichen Lern- und Austauschformaten sowie die Frage, was es braucht, damit Fortbildungsinhalte tatsächlich im Betriebsalltag ankommen. Die beiden Landwirtinnen geben außerdem Einblicke in ihre Pläne, eigene Bildungsangebote auf den Höfen zu entwickeln. Dabei sprechen sie offen über Chancen und Herausforderungen: über Zeit und Kosten, organisatorische Voraussetzungen, Fördermöglichkeiten und die Bedeutung von Netzwerken.

Das Interview zeigt: Fortbildung kann eine Investition in die persönliche und fachliche Weiterentwicklung sein – und zugleich ein Impuls für neue betriebliche Perspektiven und Geschäftsfelder. Aber lesen Sie selbst:

  1. Sie haben im Verlauf von 2025 gemeinsam mit einer anderen Landwirtin eine Fortbildung zum Thema Bauernhofpädagogik initiiert. Welche Motivation steckte dahinter?

    SK: Ich habe die Fortbildung zusammen mit einer weiteren Landwirtin ins Leben gerufen, weil ich merkte, dass meine angebotenen Nachmittagsveranstaltungen im Bereich Bauernhofpädagogik nicht so gebucht wurden, wie ich es mir erhofft hatte. Trotz guter Werbung entstand der Bedarf, daran etwas zu ändern. Die Motivation war daher, neue Ansätze zu finden, Netzwerke zu stärken und konkrete Ziele zu setzen: Wissen zu vertiefen, eine gute Ansprechpartnerin auch nach der Fortbildung zu haben und mit frischen Impulsen mehr Nachfrage zu generieren. Gleichzeitig wollte ich die Zusammenarbeit mit anderen Frauen stärken und gemeinsam eine sinnvolle Fortbildung anbieten.

    HH: Mein Lernort Bauernhof steht schon länger in den Startlöchern, ist bisher aber nicht richtig ins Rollen gekommen. Mir war klar, dass ich dafür einen neuen Impuls von außen brauche. In früheren Fortbildungen bin ich oft nur an der Oberfläche geblieben – diesmal wollte ich wirklich ins Tun kommen und mein Konzept konkret weiterentwickeln. Mein Ziel war es, den Lernort pädagogisch fundiert, wirtschaftlich tragfähig und zugleich authentisch im Alltag unseres Hofes zu verankern.

  2. Welche Formate der externen Fortbildung waren besonders hilfreich und warum?

    SK: Der Aufbau der Fortbildung war so gestaltet, dass es ein Online-Modul zum Kennenlernen gab, gefolgt von einem zweitägigen Präsenzblock. Danach gab es eine Feedbackrunde und eine individuelle Hausaufgabe. Dieses Format war besonders hilfreich, weil es im Vorfeld eine gute Vernetzung ermöglichte, während der Veranstaltung Praxisnähe schuf und danach die Möglichkeit bot, weiter am Thema dran zu bleiben. Die Kombination aus Online-Einführung, persönlichem Austausch und anschließender Aufgabenstellung hielt die Motivation hoch und sorgte dafür, dass man auch nach der Fortbildung eine Ansprechpartnerin hatte und auch noch Fragen gestellt werden konnten, die mit Geduld und Fachwissen beantwortet wurden. Diese Nachbetreuung erleichterte den Transfer und die Umsetzung der Inhalte in die Praxis. Durch die gemeinsame Vorbereitung und den Austausch über WhatsApp, Zoom und telefonische Gespräche entstanden zusätzliche Impulse und ein nachhaltiger Lerntransfer, der über das bloße Seminar hinausging.

    HH: Besonders hilfreich fand ich die Eigenarbeit zwischen den Online-Workshops und das regelmäßige Feedback, um die Aufgaben wirklich umzusetzen. Diese Kombination aus Theorie und gezieltem Nacharbeiten hat mich dazu gebracht, dran zu bleiben und Fortschritte sichtbar zu machen. Abschlussworkshop vor Ort waren eine gute Ergänzung – der Austausch im echten Umfeld motiviert noch einmal anders. Mir ist wichtig, dass es in solchen Fortbildungen möglichst wenig allgemeines „Geplänkel“ gibt und stattdessen viel Raum für praxisbezogenes, ergebnisorientiertes Arbeiten bleibt.

  3. Gibt es Herausforderungen, die der persönlichen Weiterbildung im Wege stehen? Welche Art von Unterstützung würden Sie sich von einem Projekt wie100nB wünschen, um die Durchführung oder Teilnahme an einer Fortbildung effektiv zu realisieren?

    SK: Für mich war es hilfreich, dass die Kosten anteilig über die Projektförderung abgerechnet werden konnten. Der Kontakt mit der Bewilligungsstelle (RP Gießen) war unkompliziert und unterstützend, was den bürokratischen Aufwand erträglicher machte. Grundsätzlich schätze ich die geringe Forderungshärte des Projekts, die Türen öffnet und die Teilnahme erleichtert. Weitere Unterstützung in welcher Form auch immer wäre willkommen, um Fortbildungen noch breitflächiger ermöglichen zu können. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, Reisekosten anteilig abzudecken oder zu entschädigen, um die Teilnahme attraktiver zu gestalten. Um damit gut umzugehen, also in der Vorbereitungsphase der Fortbildung nicht schon Reisekosten zu haben, habe ich die Vorarbeit und Austausch im Vorfeld genutzt—via WhatsApp, Zoom, Telefonate und eine Voranfrage der Förderung—und dabei eine entspannte, unterstützende Atmosphäre geschaffen.

    HH: Zeit und Kosten bleiben immer eine Herausforderung – besonders, wenn man mitten im Hofbetrieb steht. In unserem Fall haben wir bewusst eine Dozentin gewählt, die selbst in der Praxis steht und nicht nur theoretisch vermittelt. Das war ein riesiger Unterschied: Die Inhalte waren greifbar, realistisch und sofort übertragbar. So wurde aus der Fortbildung kein zusätzlicher Aufwand, sondern echte Motivation, die nächsten Schritte konsequent umzusetzen. Eine finanzielle Kostenübernahme oder Teilförderung ist natürlich ein wesentlicher Punkt, um solche Weiterbildungen überhaupt realistisch umzusetzen. Ebenso hilfreich wäre organisatorische und technische Unterstützung – zum Beispiel bei der Durchführung von Onlineangeboten oder beim Moderieren von Gruppenprozessen. Gerade wenn Dozentinnen und Dozenten noch wenig digitale Erfahrung haben, kann das Projekt-Team dabei Struktur geben und die Fortbildungen professionell begleiten.

  4. Welche Ressourcen benötigen Sie, um eine externe Fortbildung erfolgreich zu nutzen oder selber ein Bildungsangebot zu organisieren?

    SK: In unserem Fall bestand die Gruppe aus fünf Teilnehmerinnen, überwiegend aus dem 100nB-Kontext, die sich vorher kannten. Die Vorarbeit fiel daher überschaubar aus, und der Austausch wurde durch eine WhatsApp-Gruppe, wenige Zoom-Sitzungen und einen kurzen Austausch mit der Bewilligungsstelle unterstützt. Für die Organisation braucht es klare Kommunikation und eine verlässliche Ansprechpartnerin.

    HH: Damit eine Fortbildung für mich wirklich gut nutzbar ist, brauche ich vor allem ausreichend Vorlaufzeit. Termine lassen sich am besten einplanen, wenn sie mindestens acht Wochen im Voraus bekannt sind – so kann ich den Hofalltag gut drum herum organisieren und mir die Zeit fest freihalten. Wenn es sich anbietet, nehme ich auch gern online teil, da so keine Fahrtzeiten anfallen und sich der Aufwand besser in den Betriebsalltag integrieren lässt. Für eigene Formate fehlt mir bisher vor allem der organisatorische und technische Rahmen – zum Beispiel ein professioneller, bezahlbarer Zugang zu einem Online-Konferenztool wie Zoom für längere Meetings. Grundsätzlich sind Zeit und Geld die entscheidenden Ressourcen – bei unserer Veranstaltung hat die monetäre Förderung im Rahmen von 100 nachhaltige Bauernhöfe die Teilnahme erheblich erleichtert.

  5. Welche Themenschwerpunkte planen Sie künftig für Fortbildungen und wie priorisieren Sie diese vor dem Hintergrund aktueller Branchentrends?

    SK: Künftig plane ich, Themenschwerpunkte zu priorisieren, die im Branchentrend stehen und zugleich Nachfragepotenzial haben, wie betriebliche Bildungsangebote vor Ort und die praxisnahe Vermittlung von Bauernhofpädagogik. Dazu gehören passende Marketingstrategien, um Veranstaltungsformate besser zu bewerben.

    HH: Für meinen Lernort Bauernhof plane ich zwei Schwerpunkte: Zum einen Angebote für Kita- und Grundschulgruppen, zum anderen einen Eltern-Kind-Jahreszeitenkurs, der über das Jahr hinweg immer wiederkehrende Natur- und Hoferlebnisse bietet. Mein Ziel ist es, über echte Erfahrungen Haltung, Nachhaltigkeit und Wertschätzung für Landwirtschaft zu vermitteln. Dabei orientiere ich mich an der wachsenden Nachfrage nach Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) und einer neuen Nähe zwischen Landwirtschaft, Familie und Umwelt.

  6. Was würden Sie Kolleginnen und Kollegen raten, die darüber nachdenken, selber Bildungsangebote auf dem Betrieb umzusetzen?

    SK: Ich würde auf jeden Fall mitgeben „groß“ zu denken, also nicht einengen lassen bei der Planung von Veranstaltungen und Fortbildungen, weil Abstriche macht man sowieso noch auf dem Weg. Und Vernetzung ist wichtig, um Gleichgesinnte zu finden. Alleine hätte ich die Fortbildung gar nicht auf den Weg gebracht, das ging nur mit gemeinsamer Energie.  Und vielleicht noch: Eine Fortbildung sehe ich immer auch als Invest in den Betrieb und in sich selbst; nicht nur die verlorene Zeit auf dem Betrieb. Der Betrieb wird sehr davon profitieren, wenn die Leitung mal wieder einen Perspektivwechsel hatte.

    HH: Ich würde empfehlen, mit kleinen Gruppen zu starten und sich gezielt Mitstreiter*innen zu suchen. Ein klar umrissenes, spezielles Thema, das intensiv behandelt wird, hat meist deutlich mehr Mehrwert als ein zu breites Angebot. Entscheidend ist, dass die Fortbildung praxisnah bleibt und echten Austausch auf Augenhöhe ermöglicht – dann entsteht nachhaltige Motivation und Nutzen für alle Beteiligten. Außerdem bleiben Arbeitsgruppen dann auch über die Fortbildung hinaus bestehen.

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