Bereits beim Feldabend des Projekts „100 nachhaltige Bauernhöfe“ am 10. Juni 2026 standen die Unterschiede zwischen den elf geprüften Weizensorten im Mittelpunkt zahlreicher Diskussionen. Mit der Ernte am 14. Juli konnten die Bestände nun ausgewertet und die Ergebnisse hinsichtlich Ertrag und Qualität zusammengestellt werden.
Trotz der heißen und niederschlagsarmen Witterung während Kornfüllungsphase und Abreife wurden insgesamt zufriedenstellende Erträge und Qualitäten in der Weizensortendemo erzielt. Dabei zeigen sich erwartungsgemäß deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Sorten.
Auffällig war u. a. der Rohproteingehalt. Der für die Vermarktung als E-Weizen relevante Rohproteingehalt von > 14,0 % in der TM wurde in diesem Jahr lediglich von drei Sorten erreicht. Bemerkenswert ist dabei, dass neben zwei E-Sorten auch eine A-Sorte diese Qualitätsanforderung erfüllen konnte. Die Ergebnisse zeigen damit, dass die Qualitätsgruppe allein nicht unmittelbar auf den theoretisch erzielbaren Rohproteingehalt schließen lässt. Für die Sortenwahl ist daher insbesondere die BSA-Einstufung des Merkmals Rohproteingehalt (siehe Tab. 1) relevant, sofern ein hoher Rohproteingehalt ein entsprechendes Produktionsziel darstellt. Gleichzeitig bestätigen die Ergebnisse in Abbildung 2, dass zwischen Ertrag und Rohproteingehalt insbesondere innerhalb des Hauptsegments ein deutlicher Zielkonflikt besteht. Sorten mit hohen Kornerträgen erreichen häufig geringere Rohproteingehalte, während proteinstärkere Sorten tendenziell niedrigere Erträge erzielten. Dieser Zusammenhang konnte bereits im letzten Jahr eindrücklich gezeigt werden.

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der hohen Anzahl geprüfter Sorten zwei benachbarte Demonstrationsflächen genutzt wurden. Die Sorten Exsal, KWS Emerick, Moschus, Absint, Absolut, Ambientus sowie die Vergleichssorte SU Jonte (Hauptsegment) wurden auf der Hauptfläche angebaut, während Emmerto, KWS Espinum, Thomaro und SU Magnetron (Nebensegment) auf einer zweiten Fläche standen. Ein unmittelbarer Vergleich der Ertragsleistungen zwischen beiden Flächen ist daher nur eingeschränkt möglich. Die dargestellten Ergebnisse dienen als praxisnahe Orientierung und ersetzen keine Ergebnisse aus Exaktversuchen, wie beispielsweise den Landessortenversuchen (LSV).
Die vollständigen Ertrags- und Qualitätsdaten sind Tabelle 1 zu entnehmen. Wichtig: Die dargestellten Erträge wurden im Rahmen eines praxisnahen Demonstrationsvorhabens ermittelt und stellen keine Ergebnisse aus statistisch abgesicherten Exaktversuchen dar!

Die Sortendemonstration wird im kommenden Herbst mit einer neuen Sortenzusammenstellung fortgeführt. Ziel bleibt es, praxisrelevante Fragestellungen zu Blattgesundheit, N-Effizienz, Qualität und Betriebsmittelreduktion gemeinsam mit den Projektbetrieben und der Pflanzenbauberatung des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) unter realen Anbaubedingungen zu bearbeiten.
Ein herzlicher Dank gilt Projektlandwirt Stefan Gruner, der die Demonstration bereits im zweiten Jahr mit großem Engagement durchgeführt hat. Ebenso bedanken wir uns bei den beteiligten Züchterhäusern für die Bereitstellung von Demosaatgut, ihre fachliche Unterstützung und die aktive Mitwirkung am Feldabend sowie bei der Philippi Mühle in Büdesheim für die Durchführung der Qualitätsuntersuchungen.
Bei Fragen zu den Ergebnissen der Weizensortendemo oder zu einzelnen Sorten steht neben Projektberatungskraft Jonas Schulze (Fragen und Anregungen zur Sortendemo) auch das Beratungsteam Pflanzenbau des LLH (allgemeine Sortenfragen und LSV) gerne zur Verfügung.
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